Zuerst war das Chaos, die gähnende Leere des Raumes. Dann entstand Gaia. In der Theogonie des Hesiod war das Chaos und die „breitbrüstige“ Gaia zur Parthenogenese befähigt, zum Gebären ohne Befruchtung. Was für eine Symbolik!
Gaia, die Erdmutter, lebt aus sich selbst und erzeugt aus sich selbst zum Beispiel den „sternenreichen“ Uranos, den Himmel, damit dieser „sie ganz bedecke“, wie Hesiod uns wissen lässt. Und Erde und Himmel gemeinsam erzeugen das Meer, den Okeanus. Alle Voraussetzungen für die Entwicklung des Klimas waren damit geschaffen und damit auch die Grundlagen einer natürlichen Ordnung.
Diese mythologisch natürliche Ordnung elementar stört der Mensch mit Hilfe von Feuer, das Prometheus dem Göttervater Zeus stiehlt und den Menschen zu Diensten sein lässt. Dem Feuer sei Dank sind die Menschen nämlich nun in der Lage, die technischen Voraussetzungen für den Oikos zu schaffen und der Erdmutter durch das Eingreifen in die natürlichen Kreisläufe jene Ressourcen abzuringen, die sie zum Leben und Überleben benötigen.
Bereits in der griechischen Mythologie ist sinnbildlich also jener Urkonflikt angelegt, der die Geschichte der Menschheit bis auf den heutigen Tag bestimmt – mit all jenen Katastrophen in der Konsequenz, denen zum Beispiel der von den Menschen verursachte Klimawandel zuzuschreiben ist.
Was aus Sicht der Menschen als „Katastrophe“, als Umschwung zum Schlechten, zur Tragödie führt, ist für Gaia nichts anderes als ein natürlicher Prozess. Denn die Menschen sind Elemente ihrer Natur. Gaia existiert, wandelt und entwickelt sich – mit und ohne die Menschen.
